Stille Entzündungen: Warum dein Blutbild sie nicht zeigt - und wie du sie trotzdem findest
Chronische Erschöpfung, wandernde Gelenkschmerzen, Brain Fog - und beim Arzt ist alles im grünen Bereich. Wahrscheinlich hat niemand nach stillen Entzündungen gesucht. Matthias Cebula zeigt, was wirklich in deinem Körper läuft, was die aktuelle Forschung dazu sagt, und wie du sie erkennst.

Vielleicht kennst du das: Du sitzt beim Hausarzt, die Ergebnisse sind da. CRP unauffällig. Blutbild normal. Leberwerte top. Der Arzt schaut dich freundlich an und sagt: "Es ist alles in Ordnung. Vielleicht etwas Stress."
Und du sitzt da und weißt: Gar nichts ist in Ordnung. Du bist seit Monaten müde, als hätte jemand den Stecker gezogen. Deine Gelenke ziehen mal hier, mal dort. Dein Kopf ist vernebelt. Du nimmst zu, ohne dass du weißt warum. Dein letzter Infekt ist acht Wochen her und du bist immer noch nicht richtig fit.
Ich habe in 15 Jahren Praxis mit über 15.000 Testungen gearbeitet. Und ich kann dir sagen, wenn jemand mit diesem Muster zu mir kommt, ist in den meisten Fällen eine stille Entzündung im Spiel. Ein Zustand, den ein normales Blutbild konsequent übersieht, weil die Standardtests gar nicht darauf ausgelegt sind.
In diesem Artikel zeige ich dir, was stille Entzündungen wirklich sind, warum dein Arzt sie nicht findet, was die aktuelle Forschung dazu sagt, und wie du sie erkennen kannst, ohne ein Vermögen auszugeben.
Was stille Entzündungen eigentlich sind
Eine klassische Entzündung, wie du sie kennst, ist laut. Dein Knie wird rot, heiß, dick, es tut weh. Dein Körper schickt massenhaft Immunzellen an den Ort, die Entzündungsbotenstoffe schießen hoch, nach ein paar Tagen ist der Spuk vorbei. Das ist akute Entzündung, und sie ist gut. Sie heilt, sie repariert, sie schützt.
Eine stille Entzündung ist das Gegenteil. Sie ist leise. Sie ist chronisch. Sie sitzt nicht an einer Stelle, sondern verteilt sich auf Zellen im ganzen Körper. Und sie kocht auf niedriger Flamme, oft jahrelang, ohne dass du es merkst. In der Fachliteratur spricht man von chronic low-grade inflammation, also chronischer Entzündung niedrigen Grades.
Der Unterschied ist kein semantisches Detail. Er ist der Grund, warum so viele Menschen mit chronischen Symptomen durchs Raster fallen. Akute Entzündungen zeigt dein CRP sofort. Eine akute Entzündung lässt den CRP-Wert auf 50, 100, 200 mg/l hochschnellen. Eine stille Entzündung liegt oft bei CRP-Werten zwischen 1 und 3 mg/l, also im offiziell normalen Bereich. Dein Hausarzt sieht eine Zahl unter 5 und sagt: alles gut.
Aber unter 5 ist nicht gleich gut. In der Forschung zu Herzkreislauf-Risiko und Stoffwechselkrankheiten wird seit Jahren der sogenannte hs-CRP (high-sensitivity CRP) genutzt, der auch Werte unter 1 mg/l differenzieren kann. Die Übersichtsarbeit von Furman und Kollegen im Nature Medicine (2019) bringt es auf den Punkt: Chronische, niedriggradige Entzündung ist ein Treiber der meisten nicht-übertragbaren Erkrankungen unserer Zeit, und sie zeigt sich in Werten, die auf einem normalen Laborbefund als unauffällig durchgehen.
Warum dein Standardblutbild stille Entzündungen nicht zeigt
Ein großes Blutbild, wie es dein Hausarzt anordnet, wurde für akute Diagnostik entwickelt. Es fragt: gibt es hier gerade einen Infekt? Eine Blutung? Einen Mangel? Eine Leber- oder Nierenschädigung? Das ist sinnvoll und wichtig.
Aber es fragt nicht: Läuft hier seit Monaten eine Entzündung auf niedrigem Niveau, die deine Mitochondrien sabotiert?
Dafür bräuchte es andere Marker. Marker, die in der klinischen Forschung längst etabliert sind, aber in der Hausarztpraxis selten zum Einsatz kommen, weil sie nicht zum Standardprogramm gehören:
- hs-CRP, also das hochsensitive CRP, das auch Werte unter 1 mg/l misst (Ridker 2003, Circulation)
- Interleukin-6 (IL-6), ein zentraler Entzündungsbotenstoff (Rose-John 2018, International Journal of Biological Sciences)
- Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNF-α), ein weiterer chronischer Entzündungstreiber
- Fibrinogen, ein guter Marker für systemische Entzündung und Herzkreislauf-Risiko
- Ferritin in Kombination mit CRP, weil Ferritin nicht nur Eisen anzeigt, sondern auch ein Akutphase-Protein ist
- Homocystein, das indirekt mit Entzündungs- und Methylierungsstörungen zusammenhängt
Diese Werte werden in der kardiologischen und metabolischen Forschung regelmäßig genutzt, in der normalen Hausarztpraxis aber nur auf expliziten Wunsch. Und selbst wenn sie gemessen werden, gibt es einen zweiten Stolperstein: die Referenzbereiche.
Labore definieren Referenzbereiche statistisch, anhand der Werte "gesunder" Menschen. Das Problem: Die meisten Menschen in der westlichen Welt laufen bereits mit leicht erhöhten Entzündungsmarkern herum. Übergewicht, Bewegungsmangel, chronischer Stress, schlechter Schlaf, Industrienahrung, all das hebt das durchschnittliche Entzündungsniveau in der Bevölkerung. Dein Wert kann also "im Normbereich" liegen und trotzdem funktional zu hoch sein.
Genau deshalb sage ich Patienten oft: Ein normales Blutbild bedeutet nicht, dass du gesund bist. Es bedeutet, dass dein Blutbild in dem schmalen Fenster liegt, das die moderne Standardmedizin noch als unauffällig definiert hat.
Wie sich stille Entzündungen anfühlen
Weil stille Entzündungen nicht an einem Ort sitzen, sondern systemisch laufen, sind die Symptome auch systemisch. Sie betreffen Energie, Gehirn, Gelenke, Haut, Darm, Gewicht, Immunsystem, manchmal sogar die Stimmung. Das ist der Grund, warum niemand das Gesamtbild erkennt, wenn man bei jedem Facharzt nur das einzelne Symptom anschaut.
Typische Anzeichen, die in der Forschung zur chronischen Entzündung gut dokumentiert sind:
- Chronische Erschöpfung, die sich nicht durch Schlaf verbessert
- Wandernde Gelenkschmerzen, mal im Knie, mal in der Schulter, mal in den Fingern, ohne dass Rheuma-Marker positiv sind
- Brain Fog, das Gefühl als würdest du durch Watte denken, besonders am Nachmittag
- Hautprobleme, die kommen und gehen, Ekzeme, Rötungen, unerklärliche Ausschläge
- Stimmungsschwankungen und Niedergeschlagenheit, ohne klaren Auslöser
- Infekte, die nicht richtig abklingen, oder sich alle paar Wochen wiederholen
- Gewichtszunahme ohne Ernährungsumstellung, besonders am Bauch
- Schlafprobleme trotz Müdigkeit, Einschlafen klappt nicht, Durchschlafen auch nicht
- Morgendliche Steifigkeit, die 20 bis 60 Minuten braucht, bis sie weg ist
- Schleier vor den Augen, Kopfdruck, Druck hinter der Stirn
- Verdauungsprobleme, Blähungen, wechselnder Stuhl, Bauchschmerzen
- Reduzierte Belastbarkeit bei Sport oder Alltag, schon kurze Anstrengung macht dich müde
Wenn du beim Lesen mehr als drei Punkte erkannt hast, lohnt es sich weiterzulesen. Wenn du bei sechs oder mehr nickst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass in deinem Körper gerade eine stille Entzündung läuft, die noch niemand auf dem Schirm hat.
Die fünf Quellen, aus denen stille Entzündungen fast immer entstehen
Stille Entzündungen haben selten nur eine Ursache. Meistens sind es mehrere Faktoren gleichzeitig, die sich gegenseitig verstärken. In meiner Praxis sehe ich immer wieder dieselben fünf Quellen.
1. Ein gereizter Darm
Der Darm ist die größte Immungrenze deines Körpers. Hier liegt etwa 70 Prozent deines Immunsystems, und genau hier beginnt die Kaskade bei den meisten Menschen mit chronischen Beschwerden.
Wenn die Darmschleimhaut durchlässiger wird, als sie sein sollte, ein Zustand, den die Forschung als intestinale Hyperpermeabilität beschreibt, gelangen Bakterienbestandteile wie Lipopolysaccharide (LPS) in den Blutkreislauf. Dein Immunsystem reagiert darauf mit einer stillen Dauer-Alarmierung. Alessio Fasano, einer der weltweit führenden Forscher zur Darmbarriere, hat diesen Mechanismus über Jahre beschrieben (Fasano 2020, F1000Research). Die Forschung nutzt dafür mittlerweile klare Begriffe: "metabolic endotoxemia" (Cani et al. 2007, Diabetes) beschreibt genau das, eine leichte, aber chronische LPS-Belastung im Blut, die Entzündungsmarker erhöht.
Was den Darm durchlässig macht: chronischer Stress, häufige Antibiotika-Zyklen in der Vergangenheit, industriell verarbeitete Nahrungsmittel, Alkohol, bestimmte Medikamente, Gluten bei sensiblen Menschen. Das ist nicht Esoterik. Das steht in regulären Fachartikeln.
2. Chronischer Stress, der das Nervensystem nicht mehr loslässt
Stress ist der am meisten unterschätzte Entzündungstreiber. Nicht der kurze, gute Stress vor einer Präsentation, sondern der chronische Hintergrundstress, der seit Monaten oder Jahren nicht mehr richtig abklingt.
Was dabei passiert, ist gut erforscht: Chronischer Stress aktiviert die HPA-Achse, das Stresssystem deines Körpers. Cortisol läuft auf Hochtouren. Kurzfristig hat Cortisol eine entzündungshemmende Wirkung. Langfristig aber kippt das Bild. Die Zellen werden cortisol-resistent, das Immunsystem reagiert nicht mehr richtig auf das Stoppsignal, und die Entzündungskaskade läuft weiter (Cohen et al. 2012, PNAS). Dein Körper ist in einem dauerhaften Alarmzustand, aus dem er nicht mehr rausfindet.
Das ist der Grund, warum ich bei Patienten mit chronischen Symptomen immer auch das Nervensystem mit anschaue. Wer Stress nicht reguliert, bekommt die Entzündung nicht in den Griff, egal wie gut die Ernährung oder wie teuer die Supplements sind.
3. Toxine, die der Körper nicht mehr loswird
Wir leben in einer Welt mit einer beispiellosen Toxin-Last. Schwermetalle aus alten Zahnfüllungen und belasteten Lebensmitteln, Weichmacher aus Plastik, Schimmelbelastungen in schlecht belüfteten Wohnungen, Pestizid-Rückstände, Lösemittel aus Putzmitteln. Jeder einzelne dieser Faktoren ist in Studien mit erhöhten Entzündungsmarkern in Verbindung gebracht worden.
Das Problem ist nicht die einzelne Belastung. Es ist die Summe. Dein Entgiftungssystem, also Leber, Nieren, Lymphe, Haut, kann einzelne Belastungen gut verarbeiten. Aber wenn über Jahre zu viel reinkommt und die Systeme überfordert sind, bleibt etwas liegen. Und der Körper reagiert darauf mit, du ahnst es, stillen Entzündungen. Die Übersicht von Pall (2013, Reviews on Environmental Health) zeigt gut, wie Umweltbelastungen systemische Entzündungsprozesse antreiben können.
Wichtig: Ich bin hier bewusst vorsichtig. Das Internet ist voll von Detox-Produkten, die das Blaue vom Himmel versprechen. Die meisten davon sind Unsinn. Was funktioniert, ist nicht spektakulär: die Belastung reduzieren, die Ausscheidung unterstützen, dem Körper Zeit und Nährstoffe geben. Keine Wunderkur, sondern Basisarbeit.
4. Unausgeheilte Infektionen
Manche Infektionen gehen vorbei. Manche ziehen sich zurück, ohne richtig verschwunden zu sein. Und manche werden chronisch, oft ohne dass du es merkst.
Latente Herpesviren wie Epstein-Barr (EBV) oder Cytomegalie (CMV), chronische Borreliose, reaktivierte Zahnherde, persistente Sinusentzündungen, stille Prostataentzündungen, Blasenentzündungen die nicht richtig ausgeheilt sind. All das kann im Hintergrund Entzündungsprozesse am Laufen halten, ohne dass ein Standardblutbild das zeigt.
Die Forschung zur EBV-Reaktivierung und chronischer Fatigue hat in den letzten Jahren deutlich an Substanz gewonnen (Gold et al. 2021, Pathogens). Wir sind hier noch nicht am Ende der Erkenntnis. Aber es gibt immer mehr Hinweise, dass ein Teil der chronisch erschöpften Menschen eine virale Reaktivierung mit sich herumträgt, die niemand auf dem Schirm hat.
5. Ein Lebensstil, der das Feuer nährt
Hier sind wir bei den Dingen, die jeder kennt, aber nicht gerne hört: zu wenig Schlaf, zu viel Zucker, zu wenig Bewegung, zu viele verarbeitete Fette, zu wenig Gemüse, zu viel Alkohol, zu viel Sitzen. Jeder einzelne dieser Punkte ist in der Forschung klar mit erhöhten Entzündungsmarkern verknüpft.
Das hier ist kein Moralpunkt. Ich will niemanden belehren. Es ist schlicht die Realität: Der moderne westliche Lebensstil ist entzündungsfördernd. Und je mehr der anderen vier Faktoren bereits im Spiel sind, desto weniger Reserve hast du, um einen belastenden Lebensstil noch mit auszugleichen.
Was die Forschung vorsichtig sagt, und was nicht
Hier ist mir Ehrlichkeit wichtig, weil im Internet zum Thema "stille Entzündung" viel Halbwahres unterwegs ist.
Gut belegt ist: Chronische, niedriggradige Entzündung existiert als messbares Phänomen. Sie ist mit einer ganzen Reihe chronischer Erkrankungen assoziiert, von Herzkreislauf über Typ-2-Diabetes bis zu neurodegenerativen Prozessen. hs-CRP, IL-6 und TNF-α sind in großen Kohortenstudien als Risiko-Marker etabliert. Das steht in Lehrbüchern und aktuellen Übersichtsarbeiten.
Schwächer belegt ist: Die direkte Ursache-Wirkungs-Kette bei einzelnen Patienten. Wir können auf Populationsebene sehr gut zeigen, dass Entzündung und Krankheitsrisiko zusammenhängen. Im Einzelfall zu sagen "deine Müdigkeit kommt zu 60 Prozent von der Darmbarriere und zu 40 Prozent vom chronischen Stress" geht so präzise nicht. Das wäre unehrlich.
Was ich klar als Quatsch einordne, weil es weder Fachgesellschaften noch solide Studien stützen: Bioresonanz-Messungen auf Entzündung, Haaranalysen als alleinige Diagnostik, Stuhl-Zonulin-Tests als isolierter Beweis, Einmal-Messungen von Einzelmarkern ohne klinischen Kontext, Energie-Feld-Scans, Darkfeld-Mikroskopie zur Entzündungs-Diagnose. Wenn dir jemand einen Test für 300 Euro verkaufen will, der dir nach fünf Minuten sagt, was deine Entzündung antreibt, sei skeptisch.
Wie man stille Entzündungen tatsächlich erkennt
Die ehrliche Antwort: Kein einzelner Test kann das. Was funktioniert, ist eine Kombination aus gezielten Laborwerten, einer ehrlichen Symptom-Analyse und dem Ausschluss anderer Ursachen.
Schritt 1: Gezieltes Labor. Wenn du zum Hausarzt gehst, bitte explizit um hs-CRP, IL-6 wenn möglich, Ferritin, Fibrinogen, Homocystein. Viele Hausärzte machen das auf Wunsch mit. Manche weigern sich. Dann gibt es die Möglichkeit, diese Werte über einen Heilpraktiker oder ein Direktlabor messen zu lassen. Wichtig ist nicht nur der Einzelwert, sondern das Muster.
Schritt 2: Symptom-Analyse. Zwei bis vier Wochen lang notierst du täglich: Energie, Schlaf, Stimmung, körperliche Beschwerden, Essen, Stress. Die meisten Menschen sehen nach zwei Wochen Muster, die sie vorher nie bemerkt haben.
Schritt 3: Differenzialdiagnose ausschließen. Bevor du von stillen Entzündungen ausgehst, sollten die üblichen Ursachen geklärt sein: Schilddrüse (TSH, fT3, fT4, TPO-Antikörper), Eisenstoffwechsel, Blutzucker, B12, Vitamin D, eine mögliche Zöliakie. Das gehört abgeklärt, nicht geraten.
Schritt 4: Das ganze Bild anschauen. Der letzte Schritt ist der, den die Schulmedizin am seltensten geht: nicht nach einer einzelnen Ursache suchen, sondern nach dem Zusammenspiel. Welche meiner fünf Quellen treffen zu? Gibt es ein Darm-Thema? Ein Stress-Thema? Eine Toxin-Last? Eine alte Infektion? Ein Lebensstil-Muster?
Genau das ist der Ansatz, mit dem ich in meiner Praxis arbeite. Nicht ein Test, sondern ein systematisches Durchgehen des Gesamtbildes.
Was bei stillen Entzündungen tatsächlich unterstützen kann
Ich nutze hier bewusst den Konjunktiv, nicht weil ich unsicher bin, sondern weil jeder Körper anders reagiert und weil ich keine Heilversprechen gebe.
Den Darm beruhigen. Das ist meistens der erste Hebel. Industriell verarbeitete Lebensmittel raus, mehr Ballaststoffe rein, ausreichend Eiweiß, gekochtes Gemüse statt nur Rohkost wenn der Darm empfindlich ist. Keine Crash-Diäten. Eher ein Rhythmus, den du drei Monate durchhalten kannst.
Das Nervensystem regulieren. Schlaf priorisieren. Abends vor dem Schlafengehen wirklich runterfahren, nicht Handy bis zur letzten Sekunde. Atemübungen, kurze Spaziergänge in der Natur, Kontakt zu Menschen, die dir guttun. Das klingt banal. Es ist der stärkste Entzündungshebel den wir kennen.
Die Belastung reduzieren. Weniger Zucker, weniger Alkohol, weniger Fertiggerichte. Bessere Fette wie Olivenöl, Nüsse, fetter Fisch oder pflanzliche Omega-3-Quellen. Mehr Farbe auf dem Teller. Polyphenole aus Beeren, grünem Tee, Kräutern sind in der Forschung als entzündungsmodulierend gut dokumentiert (Yahfoufi et al. 2018, Nutrients).
Bewegung, aber nicht exzessiv. Moderate Bewegung senkt Entzündungsmarker. Exzessives Training kann sie kurzfristig erhöhen. Für die meisten Menschen ist ein tägliches Gehen, dazu zwei bis drei Einheiten Kraft- oder Ausdauertraining pro Woche, der beste Sweet Spot.
Das Gespräch mit jemandem suchen, der systematisch vorgeht. Ärzte oder Heilpraktiker, die nicht nur nach einem Symptom suchen, sondern nach dem Zusammenspiel fragen. Das ist leider noch immer die Ausnahme, aber es gibt sie.
Ich nenne hier bewusst keine Supplements als Empfehlung. Vitamin D, Magnesium, Omega-3, Curcumin, Quercetin, das alles hat in der Forschung eine gewisse Evidenz, je nach Studie mal stärker mal schwächer. Aber was wem hilft, hängt vom individuellen Zustand ab. Ein pauschales "nimm das" wäre unseriös. Wer Supplements nehmen will, sollte das idealerweise auf Basis einer individuellen Bestandsaufnahme entscheiden, nicht auf Basis eines Blogartikels.
Was stille Entzündungen im größeren Bild bedeuten
In der Regulationsmedizin schauen wir nicht nur auf die Entzündung selbst. Wir schauen auf die acht Faktoren, die ein System aus der Regulation werfen können:
- Toxine: Schwermetalle, Schimmel, Umweltgifte, die chronisch reizen
- Mängel: Vitamin D, Zink, Magnesium, Omega-3, alles was Entzündung dämpft
- Infektionen: latente Viren, chronische Herde, stille Entzündungsquellen
- Allergien und Unverträglichkeiten: die das Immunsystem dauernd beschäftigen
- Biophysikalischer Stress: Schlafmangel, Licht zur falschen Zeit, schlechte Wasserqualität
- Unbewusste Konflikte: emotionale Trigger, die das Nervensystem im Alarm halten
- Struktur: Verspannungen, Vagusnerv-Irritationen, Fehlhaltungen
- Lebensführung: Ernährung, Bewegung, Stressregulation, Rhythmus
Wenn du dir die Liste anschaust, merkst du: Stille Entzündungen entstehen fast nie aus nur einem dieser acht Punkte. Meistens sind drei oder vier gleichzeitig im Spiel. Und genau das ist der Grund, warum einzelne Maßnahmen oft scheitern. Wer nur die Ernährung umstellt, aber den Stress nicht reguliert, hat nach drei Wochen das gleiche Muster wie vorher. Wer Supplements schluckt, aber den Darm nicht beruhigt, verbrennt Geld.
Was funktioniert, ist, das ganze Bild systematisch durchzugehen.
Der nächste Schritt für dich
Wenn du in diesem Artikel mehr als ein paar Symptome wiedererkannt hast, wäre der erste sinnvolle Schritt nicht, dir online einen teuren Entzündungstest zu kaufen. Sondern herauszufinden, welche der acht Regulationsfaktoren bei dir gerade im Spiel sind.
Genau dafür haben wir einen kostenlosen Schnelltest entwickelt. Sieben Fragen, weniger als zwei Minuten. Am Ende bekommst du eine erste Einschätzung, in welche Richtung du bei dir weiterschauen solltest, und was ein sinnvoller nächster Schritt wäre.
Wenn du das Thema tiefer verstehen willst, wie die acht Faktoren zusammenspielen, wie man sie systematisch findet, und wie ich in 15 Jahren Praxis gelernt habe, sie anzugehen, zeige ich das in meinem kostenlosen Webinar. Eine Stunde, on-demand, du kannst es schauen wann du willst.
Beides ist kostenlos. Beides ist ohne Druck. Du entscheidest, was für dich passt.
Kurzes Schlusswort, weil es mir wichtig ist:
Wenn du jahrelang gehört hast, deine Beschwerden seien Stress oder psychosomatisch oder "du machst dir zu viele Gedanken", dann möchte ich dir eines sagen: Es ist nicht in deinem Kopf. Es ist in deinem Körper. Und nur weil ein Standardblutbild nichts zeigt, heißt das nicht, dass nichts ist. Es heißt nur, dass niemand an der richtigen Stelle gesucht hat.
Manchmal braucht es nur jemanden, der die richtigen Fragen stellt.
Matthias
Quellen
- Furman D et al. Chronic inflammation in the etiology of disease across the life span. Nat Med. 2019;25(12):1822-1832. PMID: 31806905
- Ridker PM. Clinical application of C-reactive protein for cardiovascular disease detection and prevention. Circulation. 2003;107(3):363-9. PMID: 12551853
- Rose-John S. Interleukin-6 Family Cytokines. Int J Biol Sci. 2018;14(5):584-596. PMID: 29773983
- Fasano A. All disease begins in the (leaky) gut: role of zonulin-mediated gut permeability in the pathogenesis of some chronic inflammatory diseases. F1000Res. 2020;9:F1000 Faculty Rev-69. PMID: 32051759
- Cani PD et al. Metabolic endotoxemia initiates obesity and insulin resistance. Diabetes. 2007;56(7):1761-72. PMID: 17456850
- Cohen S et al. Chronic stress, glucocorticoid receptor resistance, inflammation, and disease risk. Proc Natl Acad Sci USA. 2012;109(16):5995-9. PMID: 22474371
- Pall ML. Electromagnetic fields act via activation of voltage-gated calcium channels to produce beneficial or adverse effects. J Cell Mol Med. 2013;17(8):958-65. PMID: 23802593
- Gold JE et al. Investigation of Long COVID Prevalence and Its Relationship to Epstein-Barr Virus Reactivation. Pathogens. 2021;10(6):763. PMID: 34204243
- Yahfoufi N et al. The Immunomodulatory and Anti-Inflammatory Role of Polyphenols. Nutrients. 2018;10(11):1618. PMID: 30400131
- Franceschi C et al. Inflammaging: a new immune-metabolic viewpoint for age-related diseases. Nat Rev Endocrinol. 2018;14(10):576-590. PMID: 30046148
- Minihane AM et al. Low-grade inflammation, diet composition and health. Br J Nutr. 2015;114(7):999-1012. PMID: 26228057
- Calder PC et al. A consideration of biomarkers to be used for evaluation of inflammation in human nutritional studies. Br J Nutr. 2013;109 Suppl 1:S1-34. PMID: 23343744
Disclaimer: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder heilpraktische Diagnose. Wenn du chronische Symptome hast, sprich zuerst mit deinem Arzt oder Heilpraktiker. Die genannten Studien beschreiben den aktuellen Forschungsstand und sind kein Beleg für die Wirksamkeit einer bestimmten Behandlung oder Maßnahme.

Über den Autor
Matthias Cebula
Heilpraktiker mit über 15 Jahren Erfahrung und mehr als 15.000 Testungen. Gründer der Regu-Coach-Akademie. Begleitet Menschen dabei, die Ursachen ihrer Beschwerden in den 8 Regulationsfaktoren systematisch zu finden, statt Symptome zu flicken.
